Que la paz no nos cueste la vida

Kampagne zu den Morden an sozialen Aktivist*innen in Kolumbien

PARAMILITARISMUS

Es gibt keinen Frieden in Kolumbien: Der Krieg geht weiter.

Bereits mit dem Beginn des Friedensprozesses zwischen FARC und Regierung im Jahr 2012, haben die Menschenrechtsverletzungen stark zugenommen. Seit dem Friedensabkommen mit der größten Guerillaorganisation des Landes, vor mehr als einem Jahr, stehen sozial und politisch aktive Menschen in Kolumbien unter enormer Lebensgefahr. Wöchentlich werden mehrere Aktivist*innen getötet, sowie unzählige Menschen bedroht und von ihrem Land vertrieben. Allein im Januar 2018 wurden 27 solcher Morde bekannt. Die Opfer sind Bäuerinnen, Indigene, Afrokolumbianer, Sprecherinnen sozialer Bewegungen, kolumbianische Menschenrechtsaktivisten sowie Ex-Guerilleros und ihre Familienangehörigen.

Dennoch streitet der Präsident Juan Manuel Santos ab, dass die Morde systematisch sind und leugnet das offensichtliche Weiterbestehen des Paramilitarismus. Nicht nur in diesem Punkt hat die kolumbianische Regierung die Vereinbarungen des Friedensvertrags nicht erfüllt. Insgesamt zeigt sie wenig Interesse daran die Ursachen der Gewalt anzugehen oder die Opfer zu schützen.

Ihr einziges Ziel scheint die Entwaffnung der Guerrilla, nicht aber ein nachhaltiger sozialer Frieden oder eine demokratische Teilhabe der Bevölkerung zu sein.

Das Schweigen brechen

Während in den deutschsprachigen Medien durchaus über die Entwaffnung der FARC und in geringerem Umfang auch über die Friedensverhandlungen mit der linken Guerrilla ELN berichtet wird, ist ihnen die strukturelle und alltägliche Gewalt gegen politisch aktive Menschen keine Nachricht wert. Die Bedrohten, Vertriebenen und Ermordeten kommen im Diskurs zu Kolumbien praktisch nicht vor. Auch über die paramilitärischen Netzwerke, die für den Großteil der Morde und Vertreibungen verantwortlich sind, oder über die Nicht-Einhaltung von Verträgen durch die kolumbianische Regierung wird kaum berichtet. Genauso wenig über die dem Konflikt zu Grunde liegende gewaltsame Landnahme und kapitalistische Ausbeutungspolitik, sowie die Verweigerung demokratischer Teilhabe. Anders als dies oft dargestellt wird, ist die Produktion von Kokain nur einer der Gründe für das unglaubliche Ausmaß an Vertreibungen und Morden in Kolumbien. Für den Abbau von Kohle, Erdöl und Gold, aber auch für den Anbau von Zuckerrohr oder Ölpalmen werden großflächig Landschaften und soziale Gefüge zerstört. Die, die sich dagegen wehren, werden mit Hilfe des kolumbianischen Staates verfolgt oder von im Dunklen operierenden Killer-Netzwerken aus dem Weg geräumt.

Die Kampagne

Mit den beschränkten Mitteln der Kolumbienkampagne Berlin wollen wir einen Beitrag dazu leisten, das Schweigen über den fortdauernden sozialen Krieg in Kolumbien zu durchbrechen. Damit der Ruf unserer kolumbianischen Freund*innen „Dass der Frieden uns nicht das Leben kostet“ nicht ungehört verhallt, werden wir in den nächsten Monaten verstärkt über die Gewalt gegen soziale Aktivist*innen in Kolumbien berichten, Artikel und Stellungnahmen aus dem spanischen ins Deutsche übersetzen und auf lesenswerte deutschsprachige Artikel hinweisen. Dabei wollen wir auch einen Blick auf die soziale und politische Situation im Land und die sozialen Kämpfe für bessere Lebensbedingungen werfen.

Unterstützung willkommen

Als Gruppe von freiwilligen Menschenrechtsbeobachter*innen und Aktivist*innen in Kolumbien und Deutschland, und Teil des international-kolumbianischen Netzwerkes REDHER, stehen wir in direktem Kontakt mit den betroffenen Gemeinschaften und beziehen unsere Informationen aus erster Hand. Weil gleichzeitig unsere Ressourcen mehr als begrenzt sind, würden wir uns sehr über eure Unterstützung freuen.

Es gibt viele Formen, wie ihr unsere Kampagne unterstützen könnt. Zunächst würden wir uns freuen, wenn ihr diesen Blog verlinkt. Außerdem trägt jeder geteilte Beitrag dazu bei, die sozialen Aktivist*innen in Kolumbien und ihre Situation sichtbarer zu machen. Wenn ihr mit dem kolumbianischen Kontext vertraut seid und selbst Texte übersetzen oder verfassen wollt, dann meldet euch bitte per E-mail bei uns. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit sich mit (öffentlichen) Briefen an deutsche und kolumbianische Behörden zu wenden. Aufrufe zu solchen Aktionen findet ihr zum Beispiel Urgent Actions].

schluss-mit-dem-morden2

Links

Tödlicher Frieden

ARTE Reportage – Kolumbien: Der Krieg danach…

Gemeinden stemmen sich gegen die «Bergbau-Lokomotive»

Amerika21 – Nachrichten

Ask! – Berichte

Morde trotz Friedensabkommens

 

Advertisements